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Die Benetzung als Vorgang und die Benetzbarkeit als
Eigenschaft beschreiben, wie sich eine Flüssigkeit
auf der Oberfläche eines Festkörpers
verhält, wenn sie mit diesem in Kontakt kommt. Je nachdem, um was für
eine Flüssigkeit es sich handelt, aus welchem Material die Oberfläche
besteht und wie deren Beschaffenheit ist, zum Beispiel in Bezug auf die Rauigkeit,
benetzt die Flüssigkeit die Oberfläche mehr oder weniger stark.
Ein auf einer horizontalen, ebenen Oberfläche aufgebrachter Flüssigkeitstropfen
(Abb. 1) veranschaulicht die Benetzung und ihre Unterteilung. Dabei ist
die Benetzbarkeit von den Verhältnissen der beteiligten Oberflächenspannungen
abhängig, die über die Youngsche
Gleichung mit dem Kontaktwinkel
in Beziehung stehen und diesen damit zum Maß für die Benetzbarkeit
machen. Je kleiner dabei der Kontaktwinkel
ist, desto größer ist die Benetzbarkeit.
Gnach
oben
a) Vollständige Benetzung
a) Benetzung
Die Flüssigkeit breitet sich auf der Oberfläche in Form einer
flachen Scheibe aus (makroskopischer Kontaktwinkel
nicht vorhanden). Erst bei stärkerer Neigung der Oberfläche rinnt die
Flüssigkeit herunter. Dabei zieht sich die Flüssigkeitsscheibe in die
Länge und bildet einen Streifen in Neigungsrichtung. Flüssigkeitsreste
bleiben an der Oberfläche haften, auch bei stärkster Neigung. Im
Idealfall handelt es sich um einen monomolekularen Film und einen Kontaktwinkel
von Null.
b) Partielle Benetzung
Die Flüssigkeit auf der Oberfläche bildet eine runde Haube (Kontaktwinkel
kleiner 90°). Bei mittlerer Neigung der Oberfläche gleitet die Flüssigkeit
keulenförmig von der Oberfläche herunter. Keine oder wenig Flüssigkeitsrückstände
sind zu beobachten.
c) Keine Benetzung
Die Flüssigkeit auf der Oberfläche zieht sich zu einem fast kugelförmigen
Tropfen zusammen (Kontaktwinkel
größer 90°). Bei leichter Neigung der Oberfläche gleitet der Tropfen
ohne jegliche Flüssigkeitsrückstände herunter, mit anderen Worten:
Die Flüssigkeit perlt ab. Im Idealfall handelt es sich um einen Kontaktwinkel
von 180°. In diesem Fall berührt der Flüssigkeitstropfen den
Feststoff nur an einem Punkt.
Gnach
oben
Beispiele
- Blätter von Pflanzen in Kontakt mit Wassertropfen zeigen, je nach
Blattart, einer der drei oben beschriebene Fälle der Benetzung. Die
Lotus-Blume
zum Beispiel weist nur eine sehr geringe Benetzung auf, was dem Lotus-Effekt
geschuldet ist.
- Speiseöl in einer gereinigten Teflon-Bratpfanne
weist eine partielle Benetzung auf. Bei Erhitzen des Öls geht die
partielle in eine vollständige Benetzung über.
- das Waxen eines Autos oder eine Skis bewirkt, dass die Benetzung
von einer vollständigen über eine partiellen zu keiner Benetzung
überführt wird. Dadurch wird das Eindringen von Wasser und vor
allem der darin gelösten Schmutzstoffen verhindert. Der Ski gleitet
besser, das Auto bleibt länger sauber, bei beiden ist das Material
besser geschützt.
Die Benetzung einer Festkörper-Oberfläche hängt neben den drei
bereits genannten Eigenschaften noch von weiteren Faktoren ab. Dazu zählen
die Temperatur
und das Gas
(z.B. Luft),
in dem sich Flüssigkeit und Festkörper befinden.
Im Fall des Wassers und einer glatten, jedoch auch extrem hydrophoben
Oberfläche, können Kontaktwinkel
von maximal 120° erreicht werden. Bei aufgerauten Oberflächen mit hydrophobem
Charakter kann dieser Winkel jedoch auch bis zu 160° betragen. Dies
bezeichnet man als Superhydrophobie.